8. Anlagen

  1. Sozialgesetzbuch VIII / Kinder- und Jugendhilfegesetz
    (SGB VIII/KJHG)
  2. Achter Jugendbericht der Bundesregierung (Auszug)
  3. Bayer. Erziehungs- und Unterrichtsgesetz (BayEUG)
  4. Bekanntmachung der Bayerischen Staatsministerien vom 13.08. 1996

Anlage 1

1. Sozialgesetzbuch (SGB)- Allgemeiner Teil - vom 11. Dezember 1975 (BGBI. I S. 3015) mit späteren Änderungen, Auszug
1 a. Sozialgesetzbuch (SGB)Achtes Buch (VIII) Kinder- und Jugendhilfe

 

§ 1 Recht auf Erziehung, Elternverantwortung, Jugendhilfe


(1) Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

(3) Jugendhilfe soll zur Verwirklichung des Rechts nach Absatz 1 insbesondere
  1. junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen,
  2. Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Erziehung beraten und unterstützen,
  3. Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen,
  4. dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen.

§ 13 Jugendsozialarbeit


(1) Jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, sollen im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern.

(2)Soweit die Ausbildung dieser jungen Menschen nicht durch Maßnahmen und Programme anderer Träger und Organisationen sichergestellt wird, können geeignete sozialpädago-gisch begleitete Ausbildungs- und Beschäftigungsmaßnahmen angeboten werden, die den Fähigkeiten und dem Entwicklungsstand dieser jungen Menschen Rechnung tragen.

(3)Jungen Menschen kann während der Teilnahme an schulischen oder beruflichen Bildungsmaßnahmen oder bei der beruflichen Eingliederung Unterkunft in sozialpädagogisch begleiteten Wohnformen angeboten werden. In diesen Fällen sollen auch der notwendige Unterhalt des jungen Menschen sichergestellt und Krankenhilfe nach Maßgabe des § 40 geleistet werden.

(4)Die Angebote sollen mit den Maßnahmen der Schulverwaltung, der Bundesanstalt für Arbeit, der Träger betrieblicher und außerbetrieblicher Ausbildung sowie der Träger von Beschäftigungsangeboten abgestimmt werden.

§ 81 Zusammenarbeit mit anderen Stellen und öffentlichen Einrichtungen


Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben mit anderen Stellen und öffentlichen Einrich-tungen, deren Tätigkeit sich auf die Lebenssituation junger Menschen und ihrer Familien auswirkt, insbesondere mit
  1. Schulen und Stellen der Schulverwaltung,
  2. Einrichtungen und Stellen der beruflichen Aus- und Weiterbildung,
  3. Einrichtungen und Stellen des öffentlichen Gesundheitsdienstes und sonstigen Einrichtungen des Gesundheitsdienstes,
  4. den Stellen der Bundesanstalt für Arbeit,
  5. den Trägern anderer Sozialleistungen,
  6. der Gewerbeaufsicht,
  7. den Polizei- und Ordnungsbehörden,
  8. den Justizvollzugsbehörden und
  9. Einrichtungen der Ausbildung für Fachkräfte der Weiterbildung und der Forschung.
im Rahmen ihrer Aufgaben und Befugnisse zusammenzuarbeiten.



Anlage 2

Achter Jugendbericht
Bericht über Bestrebungen und Leistungen der Jugendhilfe
Herausgeber: Der Bundesminister für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit, Bonn 1990, Auszüge

 

III. Tätigkeitsfelder der Jugendhilfe

 

4. Jugendhilfe und Schule

  1. Die Allgegenwärtigkeit von Schule im Leben junger Menschen und insbesondere deren negative Auswirkungen begründen ein Interesse der Jugendhilfe an Schule. Vor allem der Bereich der schulischen Leistungsbewertung und Selektion ist ein zentraler Problembereich, mit dem sich alle Schüler/innen während ihrer gesamten Schulzeit immer wieder auseinandersetzen müssen.
  2. Durch gesellschaftliche Entwicklungen und sich verändernde Lebensformen entstehen für die Schule Anforderungen, die neue Antworten erforderlich machen: dies betrifft beispielsweise die Infragestellung der Einlösbarkeit schulischer Zertifikate aufgrund von problema-tischen Entwicklungen am Ausbildungsstellen- und Arbeitsmarkt, aber ebenso auch den wachsenden Bedarf an ganztägigen Betreuungsarrangements für Schulkinder aufgrund steigender Müttererwerbstätigkeit und der Zunahme Alleinerziehender.
  3. Schulbezogene Angebote seitens der Jugendhilfe gab es z.B. in den 60er Jahren im Rahmen von Gemeinwesenarbeit in sozialen Brennpunkten für Vorschul- und Schulkinder, insbesondere zur Vermeidung von Sonderschuleinweisungen. Seit Beginn der 70er Jahre wurden Hausaufgabenhilfen und sozialpädagogische Hilfen zur Alltagsbewältigung für Schüler/innen ausgebaut. Seit Mitte der 70er Jahre entstanden zunehmend Kooperationsprojekte zwischen Jugendhilfe und Schule mit Hilfen für den schwieriger werdenden Übergang in Ausbildung und Beruf, insbesondere für Haupt- und Sonder/schülerinnen.
  4. "Schulsozialarbeit", d.h. von der Schule organisierte und finanzierte schulische Dienste, übernehmen sowohl Beratungs- als auch freizeitpädagogische Aufgaben. Seit Ende der 60er Jahre wurden sie zunehmend vor allem in Gesamt- und Ganztagsschulen eingerichtet, vereinzelt aber auch in anderen Schulformen. Schulsozialarbeit wird inzwischen in vielfältigen Formen angeboten, entwickelt Bezüge zur außerschulischen Jugendhilfe und orientiert sich teilweise an Konzeptionen offensiver Jugendhilfe.
  5. Ansätze einer Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule sollten - u.a. durch die Schaffung von angemessenen Rahmenbedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten - gefördert werden. Eine Schule, die sich sozialpädagogischen und gemeinwesenorientierten Ansätzen öffnet, wäre in diesem Zusammenhang zu unterstützen; sie ist allerdings keine Alternative zu Jugendhilfeangeboten für Schülerinnen und Schüler.

IV. Rahmenbedingungen und Voraussetzungen der Jugendhilfe


3.2
Das alltags- und lebensweltorientierte Handeln von Sozialarbeiter/innen und Sozial-pädagog/innen ist dadurch gekennzeichnet, daß es in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Systemen und auch auf verschiedenen Ebenen erfolgt. Dabei sind in der Regel mehrere Funktionen, wie z.B. Erziehung, Beratung, Mobilisierung und Begleitung in Form hauswirtschaftlicher oder handwerklicher Tätigkeiten und gegebenenfalls auch die anwaltschaftliche Vertretung der Interessen von Klienten, miteinander zu verbinden.

3.3 Um den Aufgaben, die dabei anstehen, gerecht zu werden, brauchen Sozialarbeiter/-innen/Sozialpädagog/innen Kompetenzen, mit denen sie pädagogische und helfende Beziehungen im Alltag von Kindern, Jugendlichen und Familien strukturieren und in kooperative Beziehungen mit Kollegen und Vertretern anderer Professionen, Ehrenamtlichen und Selbsthilfegruppen eintreten können. Sie müssen für ihre Ziele und Maßnahmen Kooperationspartner zu gewinnen wissen, auf Veränderungen struktureller und institutioneller Bedingungen hinwirken und sich an deren Planung und Durchführung beteiligen können. Die Schwierigkeit, zu Kompetenzprofilen in der Sozialarbeit/Sozialpädagogik zu kommen, hängt mit der Vielfalt der Funktionen in den einzelnen Arbeitsfeldern zusammen.



Anlage 3

Bayerisches Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 7. Juli 1994, Auszug

Art. 31 Zusammenarbeit mit Jugendämtern und Einrichtungen der Erziehung, Bildung und Betreuung


(1) Die Schulen arbeiten in Erfüllung ihrer Aufgaben mit den Jugendämtern und den Trägern der freien Jugendhilfe sowie anderen Trägern und Einrichtungen der außerschulischen Erziehung und Bildung zusammen. Sie sollen das zuständige Jugendamt unterrichten, wenn Tatsachen bekannt werden, die darauf schließen lassen, daß das Wohl eines Schülers ernsthaft gefährdet oder beeinträchtigt ist und deshalb Maßnahmen der Jugendhilfe notwendig sind.



Anlage 4

Richtlinien über die Koordination der Zusammenarbeit und über regelmäßige gemeinsame Besprechungen zwischen Jugendämtern und Schulen

Gemeinsame Bekanntmachung der Bayerischen Staatsministerien für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit und für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst vom 13. August 1996 Nr. VI 1/7209-2/4/96 und Nr. III/4-S4305/18-8/86 744

Aufgrund von § 81 Nr. 1 des Achten Buchs des Sozialgesetzbuchs (SGB VIII) und von Art. 31 Abs. 1 des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) werden folgende Richtlinien erlassen:

 

1. Koordination der Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern und Schulen

1.1. An allen öffentlichen Schulen koordinieren die Schulleiter die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, den Trägern der freien Jugendhilfe und den Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe (Art. 31 Abs. 1 BayEUG); sie sind Ansprechpartner für Angelegenheiten der Jugendhilfe. Sie könnnen andere Lehrkräfte, insbesondere die Beratungslehrer, bei der Wahrnehmung dieser Aufgaben heranziehen.

1.2. Die Jugendämter bestimmen für jede Schule Ansprechpartner und teilen ihr, dem örtlich zuständigen Schulamt und, sofern die Schule nicht der Aufsicht des Schulamts untersteht, der Regierung oder dem Ministerialbeauftragten mit, welche Mitarbeiter die für die Schule zuständigen Ansprechpartner sind.

1.3 Um eine Koordination der Zusammenarbeit mit den Schulen sicherzustellen, sollten im Fall der Bestimmung mehrerer Ansprechpartner diese für bestimmte Schularten und/oder für bestimmte Stadtteile beziehungsweise Landkreisgebiete zuständig sein und durch regelmäßige Teambesprechungen zusammenwirken.

2. Regelmäßige gemeinsame Besprechungen zwischen Jugendamt und Schule


2.1. Die Ansprechpartner der Volksschulen, Realschulen, Gymnasien, Berufsschulen, Berufs-fachschulen, Wirtschaftsschulen und aller Förderschulen im Jugendamtsbezirk treffen sich regelmäßig, mindestens aber einmal im Schuljahr, mit den Ansprechpartnern des Jugendamts zu gemeinsamen Besprechungen. Den Ansprechpartnern der übrigen Schulen steht die Teilnahme frei.

In einem Jugendamtsbezirk können bei Bedarf auch mehrere solcher Treffen, aufgeteilt nach Stadtteilen beziehungsweise Landkreisgebieten, stattfinden.

Zu den Besprechungen sind das beratende Mitglied des Jugendhilfeausschusses nach Art. 7 Abs. 1 Nr. 3 BayKJHG, die Regierung, die zuständigen Ministerialbeauftragten und bei kreisfreien Städten, die Träger kommunaler Schulen sind, die Stadt einzuladen. Träger der freien Jugendhilfe sollen hinzugezogen werden, andere Stellen (insbesondere die Polizei, das Gesundheitsamt oder das Arbeitsamt) können in geeigneten Fällen hinzugezogen werden.

2.2. Das Staatliche Schulamt und das Jugendamt bereiten die Besprechungen gemeinsam vor und führen sie gemeinsam durch. Im gegenseitigen Einvernehmen kann eine der beiden Stellen Vorbereitung und Durchführung übernehmen.

2.3 Inhalt der Aussprachen sind alle Angelegenheiten, die die Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule (§ 81 Nr. 1 SGB VIII, Art. 31 BayEUG) betreffen. Insbesondere sollen die nachstehenden Themen behandelt werden:

2.3.1. Grundfragen der gemeinsamen Verantwortung für die Erziehung und Bildung junger Menschen, insbesondere aktuelle pädagogische Probleme und das Anliegen der wertorientierten Erziehung im Sinn der Wertordnung des Grundgesetzes und der Verfassung (z.B. Medien-, Umwelt-, Gesundheits-, Sexual-, Sozial- und interkulturelle Erziehung, Gewalt-, Jugenddelinquenz-, Sucht- und Aids-Prävention);

2.3.2. gegenseitige Information über Arbeitsformen und aktuelle Angebote;

2.3.3. Möglichkeiten institutioneller, angebots- und einzelfallbezogener Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule sowie deren Umsetzung;

2.3.4. konkrete Vorfälle, die ein Zusammenwirken von Jugendhilfe und Schule erforderlich machen, soweit sie grundsätzliche Bedeutung haben.

3. Diese Richtlinien sind erstmals im Schuljahr 1996/97 anzuwenden.

 

4. Den Trägern privater Schulen wird empfohlen, an ihren Schulen entsprechend zu verfahren.



Bayerisches Staatsministerium
für Arbeit und Sozialordnung,
Familie, Frauen und Gesundheit

I.A. Müller
Ministerialdirektor

Bayerisches Staatsministerium
für Unterricht, Kultus,
Wissenschaft und Kunst

I.A. J Hoderlein
Ministerialdirektor


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